Viele Rügener erwirtschaften ihr Einkommen im Tourismus. Die schöne Landschaft, die Steilküsten mit den weltberühmten Kreidefelsen und nicht zuletzt traumhafte Sonnenuntergänge am Meer locken besonders im Sommer viele Gäste auf Deutschlands größte Insel.
Aktive Prozesse der Küstenentwicklung sind Teil des Rügener Naturraums. Doch an den Rügener Steilküsten kommt es auch zu Hangrutschungen und Abbrüchen. Zum außergewöhnlichen Naturraum der Ostseeinsel gehören solche Erosionsereignisse dazu. Als dramatisch werden sie empfunden, wenn vom Menschen geschaffene Werte und Infrastruktureinrichtungen betroffen sind. Besonders schlimm war ein Ereignis im März 2005, bei dem etwa 150.000 Kubikmeter Boden am steilen Nordufer ins Rutschen gerieten – ausgerechnet zwischen dem Feriendorf Lohme und dem erst kürzlich mit hohem Aufwand restaurierten kleinen Yachthafen. So traf diese Rutschung die Tourismuswirtschaft der Inselgemeinde gleich mehrfach: Der Hafen ist bis auf weiteres gesperrt. Oberhalb der Rutschung mussten einige Gebäude evakuiert werden, darunter auch ein Hotel. Und das legendäre Terrassencafé Niedlich mit seiner spektakulären Aussicht auf die Ostsee ist seither ebenfalls nicht benutzbar.
Die Gemeinde Lohme ist seit langem schon bemüht, den betroffenen Hang zu sichern, damit die betroffene Infrastruktur wieder gefahrlos genutzt werden kann.
Hierzu wurden zunächst umfangreiche geologische Untersuchungen ausgeführt. Ergebnis ist, dass insbesondere ein hoher Feuchtegehalt in den hangnahen Schichten den Boden ins Rutschen bringt. Das Wasser zwischen den Bodenpartikeln wirkt wie ein Gleitmittel.
Hier setzen die Sanierungsmaßnahmen an: Vom Ostseestrand aus werden Horizontalbohrungen in den Hang getrieben; die Bohrlöcher werden mit Drainagerohren zur Entwässerung des gefährdeten Hangbereichs ausgestattet. Wird dem Hang das überschüssige Wasser entzogen, so bleibt er stabil.
Leica-Tachymeter TS30 der Referenzklasse als zentraler Sensor zur Oberflächenbeobachtung
Ein umfangreiches Global Monitoring System zur automatisierten Beobachtung zahlreicher Messgrößen sichert die Baumaßnahmen und die anschließende weitere Nutzung des Gebiets. Zentraler Teil des Systems ist ein Leica-Tachymeter TS30 der Spitzenklasse. Der Sensor misst Strecken und Winkel mit höchster Präzision. Der TS30 ist hoch oben auf einer massiven Säule installiert und zielt auf genau vorgegebene Punkte am Hang. Diese sind mit Reflexionsprismen ausgestattet, von denen das optische Signal des Tachymeters zurückgeworfen wird. Die Prismen wiederum sind auf Stahlrohren installiert, die senkrecht einige Meter tief in den Boden eingetrieben wurden.
Der TS30 registriert Bewegungen der Beobachtungspunkte in alle drei Richtungen des Raumes. Bewegt sich eines der Stahlrohre mitsamt seinem Prisma, so wird das Ausmaß der Bewegung registriert und an eine Software übergeben. Aus dem Messwert am Prisma wird auf eine Bewegung des Bodens geschlossen. Überschreitet die Bewegung eines Prismas einen in der Software eingestellten Toleranzwert, so setzt das System automatisch eine Meldung ab. Auf diese Weise können die Hangsicherungsarbeiten sicher ausgeführt werden.
Die elektromagnetischen Antriebe des TS30 arbeiten praktisch verschleißfrei. Deshalb ist der Sensor für langfristig ausgelegte Global Monitoring Aufgaben ganz besonders geeignet.
Neben Grundwasserstandsensoren, einem Hangneigungssensor (so genannter Inklinometer) und mehreren Webcams ist der Tachymeter einer von vielen Sensoren, die den Hang bei Lohme sichern helfen. Deshalb werden alle Messdaten auf einem zentralen Server gesammelt und verarbeitet. Von diesem werden auch die Meldungen ausgesendet.
Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird das Gesamtsystem weiterbetrieben werden – damit Touristen und Rügener schon bald wieder gefahrlos den Sonnenuntergang von der Terrasse des Café Niedlich genießen können!
„Aufatmen in Lohme: Der Hang ist wieder sicher“
So titelt die Ostseezeitung kurz vor Weihnachten 2009. 21 Drainagerohre wurden im Zuge der Baumaßnahmen bis zu 40 m in den Hang getrieben. Mit Erfolg: Rund neun Millionen Liter Wasser flossen von September bis Dezember 2009 aus dem Boden, der Grundwasserspiegel sank um gut vier Meter. Das neue Entwässerungssystem funktioniert; die Gefahr einer Rutschung sei damit vorerst vom Tisch – so zitiert am 16.12.2009 die Ostseezeitung Professor Dr. Edmund Krauter von der Forschungsstelle für Rutschungen an der Uni Mainz nach der Beratung mit seinen Gutachterkollegen. Voraussichtlich im März 2010 können die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Zur Saison 2010 sollen Hang und Hafen offen sein.
Dennoch bleibt als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme das Global Monitoring System bis auf Weiteres in Betrieb.
Datum der Inbetriebnahme: Oktober 2009
Lieferumfang: ALLSAT Global Monitoring
- Sensor: Leica-Tachymeter TS30 - die Referenzklasse unter den Tachymetern, mit einer Winkelgenauigkeit von 0,5“! Inklusive Beobachtungsprismen und kombiniertem Meteosensor für Lufttemperatur, -druck und -feuchte·
- Witterungs-, Diebstahl- und Vandalismusschutz: massives, klimatisiertes Tachymetergehäuse mit schlag- und bruchsicherem Beobachtungsfenster
- Netzgebundene Stromversorgung: mit USV-Einheit zur sicheren Überbrückung möglicher Stromausfälle·
- Datenkommunikationseinrichtung: inkl. 500 m Datenkabel und Signalverstärkern
- Leica GeoMoS Monitoringsoftware: zur Tachymetersteuerung und Datenübergabe an den Server des Gesamtsystems
- Ingenieurberatung, Systemkonfiguration, Installation, Einrichtung und Inbetriebnahme




